Die Stellenbewertung im Zangengriff: Warum „Mehr Personal“ keine Lösung mehr ist – und ChatGPT zu gefährlich

Martin Warnat

Martin Warnat

Die Verwaltung steht vor einer historischen Zäsur. Zwischen Personalmangel und Bürokratiewachstum droht der Verwaltung der Kollaps. Warum wir Arbeitsprozesse automatisieren müssen, aber die Verantwortung für Verwaltungsakte niemals an eine KI delegieren dürfen.

Die Verwaltung am Wendepunkt: Ein System im Zangengriff

Deutschland steht vor einer historischen Zäsur im öffentlichen Dienst. Wer heute in einer Personalabteilung oder Organisationsentwicklung sitzt, spürt es täglich: Die alten Rezepte funktionieren nicht mehr. Wir befinden uns in einem Zangengriff aus zwei Entwicklungen, die sich gegenseitig verstärken.

Auf der einen Seite erleben wir den demografischen Exodus. Bis 2030 werden schätzungsweise 1,3 Millionen Beschäftigte den öffentlichen Dienst verlassen. Das ist ein massiver Wissensabfluss. Weniger Menschen werden komplexere Arbeit bewältigen müssen. Die Hoffnung, diese Lücke allein durch neues Personal zu schließen, scheitert am leeren Arbeitsmarkt.

Auf der anderen Seite explodiert die Komplexität. Die regulatorische Dichte nimmt zu – sei es bei Fördermitteln oder der rechtssicheren Stellenbewertung. Manuell ist diese Multidimensionalität unter Zeitdruck kaum noch fehlerfrei abzubilden. Der einzige Ausweg scheint die Technologie zu sein. Doch Vorsicht: Wer hier blind vertraut, begibt sich auf dünnes Eis.

Die Gefahr der „Black Box“: Warum KI allein nicht entscheiden darf

Der Leidensdruck führt oft zu einer Flucht in generativer KI wie ChatGPT. Diese Tools sind faszinierend: Sie schreiben Texte und fassen zusammen. Doch sie arbeiten probabilistisch – sie berechnen Wahrscheinlichkeiten, keine Wahrheiten. Sie „raten“, was plausibel klingt.

Für die Verwaltung ist das fatal. Ein Verwaltungsakt – wie eine Eingruppierung – darf nicht „wahrscheinlich richtig“ sein. Er muss beweisbar, reproduzierbar und rechtssicher sein. Eine KI kann keine Verantwortung übernehmen. Wenn ein Bescheid falsch ist, haftet nicht das Werkzeug, sondern die Behörde. Deshalb darf der Prozess niemals vollständig „dunkelverarbeitet“ werden, wenn es um Ermessensentscheidungen oder rechtliche Bewertungen geht.

Das Nav.IQ-Prinzip: Human-in-the-Loop als Sicherheitsanker

Bedeutet das, wir müssen auf Effizienz verzichten? Nein. Aber wir brauchen einen anderen Ansatz. Nav.IQ folgt einer strikten Philosophie: Technologie bereitet vor, der Mensch entscheidet.

Wir lösen das Dilemma durch eine klare Arbeitsteilung, die sicherstellt, dass die Ergebnisverantwortung immer beim Sachbearbeiter bleibt:

  1. Die KI als Assistent (Analyse): Die KI übernimmt die Fleißarbeit. Sie liest unstrukturierte Daten (z.B. Stellenbeschreibungen), analysiert sie und schlägt Strukturen vor. Sie ist der „Lese-Roboter“, der dem Menschen zuarbeitet.
  2. Der Mensch als Kontrollinstanz (Human-in-the-Loop): Hier liegt der entscheidende Unterschied. Bevor irgendeine Bewertung stattfindet, muss der Mensch die Ergebnisse der KI validieren. Hat die KI den Arbeitsvorgang richtig erkannt? Stimmen die Zeitanteile? Erst wenn der Fachexperte sein „OK“ gibt, geht es weiter. Der Mensch behält die Hoheit über die Fakten.
  3. Der Algorithmus als Rechenknecht (Bewertung): Nach der menschlichen Freigabe wendet ein fest programmierter Algorithmus die Regeln (z.B. Tarifrecht) an.

Praxisbeispiel Stellenbewertung: Digital, aber nicht führerlos

Bei der Stellenbewertung mit Nav.IQ sieht das konkret so aus: Das System nimmt dem Bewerter nicht das Denken ab, sondern das Suchen und Sortieren.

Die Software extrahiert Vorschläge für Arbeitsvorgänge und Fachkenntnisse. Aber Sie als Bewerter entscheiden, ob diese zutreffend sind. Sie korrigieren, ergänzen oder bestätigen. Nav.IQ ist wie ein extrem schneller Assistent, der Ihnen die Akten vorsortiert auf den Tisch legt – unterschreiben müssen Sie aber selbst.

So schaffen wir das, was die Verwaltung braucht: Massive Entlastung von Routineaufgaben bei gleichzeitiger Stärkung der menschlichen Entscheidungskompetenz. Wir ersetzen das „Raten“ durch „Rechnen“ und das „Bauchgefühl“ durch validierte Fakten.